BERUF

Zittau K80 - Private Homepage

Berufsausbildung, Studium und Promotion

 

Auf dieser Seite gibt es Informationen über meinen beruflichen Werdegang und einige Kraftwerke, mit denen ich beruflich zu tun hatte. Ich beginne mit dem Anfang meiner beruflichen Tätigkeit. Im Jahre 1971 war ich bei dem Versuch gescheitert, eine Lehrstelle bei VEB ROBOTRON Radeberg oder wenigstens doch in der Elektrotechnik zu finden. Aber es gab ja noch ein paar Kraftwerke, die in meiner Heimat, der Oberlausitz herumstanden. Das hat doch auch etwas mit Elektrik zu tun, dachte ich mir und bewarb mich um eine Lehre als "Maschinist für Wärmekraftwerke" im VEB Kraftwerk "Völkerfreundschaft" Hagenwerder. Als ich die Lehre im September antrat, stellte ich mit Verwunderung fest, dass auch 2 meiner Schulfreunde aus Königshain (Kenny und Elke) den gleichen Beruf erlernen wollten.

Die Lehrausbildung fand im Kraftwerk "Friedensgrenze" Hirschfelde statt, das damals bereits ein musealer Betrieb war. Die ältesten noch in Betrieb befindlichen Anlagen stammten aus den 1920er Jahren. Mit dem Kennenlernen der Anlage rückte ich immer mehr von meinem ursprünglichen Plan ab, die Kraftwerksbranche möglichst schnell wieder zu verlassen. Es war doch alles recht interessant. Von überall her kamen Geräusche, die von den unterschiedlichsten Maschinen und Aggregaten verursacht wurden. Ein kaum durchschaubares System von Rohrleitungen durchzog die Anlagen. Hier und da entwich Dampf mit dumpfem oder hellem Ton. Dass das Hirschfelder Tal ständig in einem Dunstschleier aus Staub und schwefelhaltigen Abgasen lag, störte uns wenig. Immerhin gab es im "Volkshaus" in der nahen Stadt Zittau hin und wieder gute Musik zu hören.

Unten habe ich einige Informationen zum Kraftwerk Hirschfelde zusammengestellt. Informationen zu einigen Kraftwerken, mit dnen ich beruflich zu tun hatte findet ihr auf der Seite "KRAFTWERKE"..

Nach der Berufsausbildung arbeitete ich zunächst im Kraftwerk Hagenwerder Werk II, das mit 2 100 MW-Blöcken ausgerüstet war. Ich war als Kesselwärter eingesetzt. Nach dem Wehrdienst 1974/1975 blieb ich nopch zunächst für ein paar Jahre im Kraftwerk, bevor ich im Jahre 1979 einen Vorkurs zur Erlangung der Hochschulreife an der Ingenieurhochschule Zittau begann. Im September 1980 begann ich dann das Studium in der Fachrichtung "Kraftwerkstechnik", das ich 1964 abschloss.

Nach der Prüfung im Fach "Dampferzeuger" im 3. Studienjahr erhilt ich von Professor Effenberger das Angebot, auf dem Gebiet der Wirbelschichtfeuerung zu promovieren. Das Forschungsthema wurde vom "VEB Dampferzeugerbau Berlin" finanziert. Ich hatte eine Technikumsanlage aufzubauen, was sich unter den damaligen Bedingungen als nicht gaz einfach erwies. sollte "im Industrielabor Hirschfelde" errichtet werden. Dieses befand sich im vorderen Bereich des Maschinenhauses, wo ursprünglich die Maschinen 1 und 2 gestanden hatten. Die Maschine 3 war zu musealen Zwecken aufgearbeitet worden. Im hinteren Teil des Maschinenhauses waren die Maschinen 5 und 8 bis 12 weiterhin in Betrieb. Mit diesesn Maschinen und den 4 x 240 t/h-Dampferzeugern hatte das Kraftwerk eine Leistung von ca. 220 MW.

Nach der Einweihung des Industrielabars in Anwesenheit des Ministers sowie eines Filmteams der "Aktuellen Kamera" konnte ich die Versuchsanlage endlich fertigstellen und in Betrieb nehmen. Mit hilfe einiger engagierter Studenten führte ich nun zahlreiche Versuche durch, deren Ergebnisse die Grundlage für meine Dissertation bildeten.Etwas verzögert durch die Wende und die Wiedervereinigung , konnte ich im November 1990 meine Dissertation verteidigen.

Bereits im September desselbern Jahres war ich zum Dampferzeugerbau Berlin gewechselt. Hier arbeitete ich als Verfahrenstechniker mit der Schwerpunkt auf den Gebieten der Wärme- und Strömungstechnik. Der Dampferzeugerbau wurde bereits 1991 an die Firma Lentjes aus Düsseldorf verkauft, deren Großkesselbau später von der Firma Babcock aus Oberhausen übernommen wurde.

Ich blieb in der Firma bis zu meinem Ausscheiden im Mai dieses Jahres. Mein letztes Projekt war eine Heißwasser-Erzeugungsanlage im Kraftwerk Moabit in Berlin.

 

 

Historische Entwicklung des Kraftwerks Hirschfelde

Jahr

Ereignis

1642

Erster Hinweis auf Rohbraunkohle in der Oberlausitz

1779

Eöffnung einer Kohlengrube in Seitendorf

1802

Abbau von Kohle im Tiefbau (Oppelsdorf)

1850 bis 1937

Mehr als 120 Kohlebetriebe in Zittau und Umgebung

1897

Aufstellung eine Dampfmaschine mit Gleichstromgenerator in einem Gasthof in Hirschfelde

1907

Grundung der Aktiengesellschaft "Herkules" (Braunkohlenwerk)

1911

Inbetriebnahme des Werks I mit einer Leistung von 3,2 MW

1915 bis 1926

Bau des Werkes 2 mit 3 Kesselhäusern und je 10 Dampferzeugern sowie 5 Turbosätzen (1 x 12 MW, 3 x 20 MW und 1 x 50 MW)

1955 bis 1957

Bau der Vorschaltanlage mit 4 Dampferzeugern mit je 240 t/h Dampfmassestrom sowie 2 x 50 MW Nachschalt- und 3 x 25 MW Vorschaltmaschinen. Das Kraftwerk erreicht seine maximale Leistung von ca. 320 MW

1975 bis 1992

Nach der Stillegung älterer Anlagen wird mit den verbliebenen 4 Hochdruck-Dampferzeugern sowie 3 Vorschalt-und 3 Nachschaltmaschinen noch eine Leistung von 220 MW erreicht

1992

Stillegung des Kraftwerks. Der Maschine 5 erreicht seit der Inbetriebnahme 1925 insgesamt 413.499 Betriebsstunden.

 

Nach meinem Studium in der 1980er Jahren hatte ich wieder mit dem Kraftwerk Hirschfelde zu tun. Ich war inzwischen Wissenschafticher Assisatent am Lehrstuhl "Dampferzeuger und Wärmeübertrager" und hatte die Aufgabe, die Verbrennung von Rohbraunkohle in der Wirbelschicht zu untersuchen. Zu diesem Zweck hatte ich eine entsprechende Versuchsanlage im Industrielabor Hirschfelde errichtet. Das Industrielabor wurde im Bereich der Maschinen 1 und 2 des Maschinenhauses eingerichtet und 1987 im Beisein des DDR Fernsehfunks, des Ministers Böhme unter weiterer Politikprominenz feierlich in Betrieb genommen. Die "Aktuelle Kamera" berichtete etwa 1 Munute über das Ereignis. Die Maschine 3 war zu diesem Zeitpunkt bereits stillgelegt und von Dieter Liehr für museale Zwecke konserviert worden. In den nächsten 3 Jahren führte ich zahlreiche Versuche durch, die dann die Basis meiner Dissertation bildeten. Im Jahre 1992 wurde das Kraftwerk endgültig stillgelegt. Der Besitzer, der Energiekonzern VEAG (später VATTENFALL) stimmte der Nutzung eines Teils der Anlagen als Museum zu. Es wurde ein Förderverein gegründet, dem ich bis zum heutigen Tag auch angehöre. Leider wurde das Museum auf Grund von Bauschäden im vergangenen Jahr weitestgehend geschlossen. Aus diesem Grunde zeige ich hier noch ein paar Fotos aus der Zeit des Museumbetriebes. Aus der Zeit des Industrielabors sind noch Versuchsstandskabinen übrig geblieben, die man links vorn auf dem letzten Foto dieser Seite sehen kann.

Leider wuirde das Museum vom Land Sachsen aufgegeben und soll abgerissen werden.

 

Bilder aus dem Technischen Museum Kraftwerk Hirschfelde